Die acht Feste im Jahreskreis

1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8. 
31. 10.
21. 12.
02. 02.
21. 03.
30. 04.
21. 06.
02. 08.
21. 09. 
Samhain
Jul
Imbolc
Eostra
Beltane
Lithe
Lugnasad
Mabon  

Mit den so genannten 8 Jahreskreisfesten wurde im germanisch-keltischen Kulturraum der Verlauf des Jahres wie ein sich wandelndes Wesen erkannt und die energetischen Übergänge mit Ritualen und Festen gewürdigt. Die Menschen begingen den Wechsel der Zeiten ganz bewusst und ehrten damit die verschiedenen Kräfte des Jahres um sich wieder und wieder zu vergegenwärtigen, wo sie in ihrer Entwicklung standen.
Die Veränderungen in der Natur, das Erblühen, Heranreifen, Ernten und Sterben, das im Außen geschieht, wurden so im Spiegel für innere Lebensprozesse erkannt. Durch die Bezugnahme zu den Kräften der Natur haben wir Menschen einen leichteren Zugang zu Astralwesen, Göttern, Tieren und Pflanzen.
Es gab ein miteinander leben, einander unterstützen und achten und die Handlungen und Feierlichkeiten der Menschen gestalteten sich dem Lauf des Lebens gemäß.

Um die keltische Geistesart richtig zu verstehen, müssen wir unser kategorisierendes, materialistisches Denken ablegen, und uns dem verwobenen, flüssigen, mystischen und scheinbar chaotischen Systemen der keltischen Lebensphilosophie öffnen. Diese beruhte auf der Lust am Erleben, auf der Extasefähigkeit und Erkenntnis des unmittelbaren Naturgeschehens.

Die Inhalte eines Rituals oder einer Lehre wurden aus dem Leben geschöpft, aus den umliegenden Bergen und Wäldern, dem Verlauf der Gestirne, den Quellen, Bäumen oder Waldwesen in unmittelbarer erlebbarer Nähe der Siedlungen, im heiligen Hain oder auf dem Grabhügel. Jede Gegend hatte ihren eigenen heiligen Berg oder Fels, so wie es zum Beispiel in Indien oder Island bis heute noch Brauch ist. Ebenso feierten die Dorfgemeinschaften in Abhängigkeit von der Umgebung ihre ganz individuellen Zeremonien, in die die Naturgeister, Seen, Schluchten oder das Meer ebenso einbezogen waren, wie auch die entsprechende Kultur des Volkes, ob es beispielsweise Felder bestellte oder sich vom Fischfang oder der Gerberei ernährte.
Es gab entsprechend viele keltische Gottheiten, alles galt als beseelt und daher als heilig (heilig = heil = ganz = in Kontakt und Wechselbeziehung mit allen und allem). Überall gab es eine Göttermutter, eine Göttin der Fülle, eine Erntegottheit und eine Göttin des Todes und der Neugeburt.


Das achtspeichige Rad


31.10.- 01.11. Samhain (Halloween, Allerheiligen)

(01.11. so genanntes „Hexenneujahr“)

Samhain ist das erste und gleichzeitig letzte Fest im keltischen Jahreskreis und läutet die Dunkle Zeit ein. Das keltische Jahr beginnt mit dem Ausatmen, dem Loslassen, dem Sterben. Die Totengeister, Ahnen und Weisen Alten nehmen Einzug mit ihrem Gefolge und die Grenzen zur Geisterwelt werden feiner und durchlässiger. Wir begeben uns in das Reich der Dunkelheit, das bis zum 02.02. andauert, lehnen uns zurück, schließen die Augen und atmen aus. Ruhe und Innenschau kehren ein und wir begegnen dem Sterben, sowohl in der Natur als auch in uns selbst. Aber die liebende Göttin des Todes ist überall in den Naturreligionen der Welt gleichzeitig auch die Göttin der Geburt und des Lebens. Jedes Ende ist ein Neubeginn und so beginnt am 01.11. das neue Keltische Jahr.

21.12. Jul (Wintersonnenwende)

Das Julfest feiern wir in der tiefsten Nacht des Jahres. Das Dunkle Reich und die Herrschaft Samhains, des schwarzen Gottes sind auf dem Höhepunkt angelangt und gleichzeitig findet eine Geburt statt - die Geburt des Lichts. Die Göttin schenkt uns in der Finsternis die Geburt des neuen Sonnenkindes. Dieses heiligste aller Feste dauert 12 Nächte, die so genannten 13 Rauhnächte, vom 21.12. bis zum 3.1. (die 13 als Zahl des Glücks und der Verwandlung stammt aus der Kultur des Lunaren Kalenders - 13 Monde = 1 Jahr) In dieser Zeit sind alle Pforten zu allen Welten geöffnet, wir sind hellsichtig, träumen in Orakeln, erinnern uns an uraltes inneres Wissen, ahnen die Ereignisse des neuen Jahres voraus und stehen, ob bewusst oder unbewusst, in Kontakt mit den Geistern und Astralwesen. Diese sind sehr präsent in dieser Zeit und bereit, uns zu unterstützen.

02.02. Imbolc (Brigid, Lichtmess)

In den klaren Nächten des Februars, wenn die Lämmer geboren werden, bekommt der Zuwachs des Lichtes einen deutlichen Schub - es ist nicht mehr zu leugnen: die Tage werden wieder länger. Das Reich des schwarzen Gottes findet hier sein Ende und macht der Göttin Brigid Platz, die verjüngt aus den Tiefen zurückkehrt und den Raum bis zum Beltane-Fest am 01. Mai einnimmt. Sie weckt die noch schlafenden Samen, rüttelt an den Bäumen und die alte Erdmutter Frau Holle gibt die Säfte frei, die - noch unsichtbar - aufsteigen. Brigid ist die weiße Jungfrau, die das sich neu Entfaltende verkündet. Die Zeit der Brigid ist vor allem eine Zeit der Reinigung und des Fastens. Der heutige Frühjahrsputz ist in der Überlieferung auf dieses Fest zurückzuführen. Alles wird vorbereitet und schön gemacht, damit die weiße Jungfrau, die das Licht zurückbringt, Einzug halten kann.

21.03. Eostra (Ostara)

Frühlingstagundnachtgleiche

Dies ist der Höhepunkt der Herrschaft der schönen Brigid oder Eostra, der Königin der Fruchtbarkeit und der Tiere. Die Eostra schenkte den Menschen rot bemalte Eier, die als Symbole für die Gebärmutter galten und trug ihnen auf, diese auf den Gräbern ins Gras zu legen, damit die Seelen der Verstorbenen wieder neu geboren werden können. Ein weiterer Fruchtbarkeitskult ist aus der vorkeltischen Megalithkultur überliefert, es wurden Radkreuze aus grünen Pflanzen oder Weidekätzchen geflochten, um die wiederkehrende Göttin im Erblühen des Frühlings zu begrüßen. Sie wurden sonnenläufig als Flursegen um die Felder getragen.

30.04.-01.05. Beltane (Walpurgis, Maifest)

(01.05. so genannter "Tag der Lust")

In der Nacht zum 1. Mai wurden in keltischen Ländern alle brennenden Feuer gelöscht. Bei Sonnenaufgang wurde dann rituell ein neues Feuer entzündet. Dieses neue Feuer segnete jeden Hausherd und brannte für die sich ausbreitende Wonne.
Mit der Herrschaft Belenos und der Blumengöttin Belisama beginnt hier die warme helle Jahreshälfte. Naturgeister und Elfen tanzen mit den Menschen um das Feuer und mit der Kraft der entflammten glühenden Liebe der Menschen wurde die keimende Saat wiederum gesegnet. Die hohe Zeit des Jahres beginnt, die durch das Aufstellen der Maibäume, die ein altes Symbol für sexuelle Vereinigung und Fruchtbarkeit sind, symbolisiert wird.

21.06. Lithe (Sommersonnenwende, Johannistag)

Das Brautpaar von Beltane hält nun Hochzeit, die ganze belebte Welt, alle feinen Wesen feiern dies mit und genießen die Wärme und Ausgelassenheit des Sommers. Das Jahr ist auf seinem Höhepunkt angelangt, die Tage sind nun am längsten und in dieser hellen Zeit wurde traditionell 13 Tage und Nächte lang gefeiert. Die Pflanzengöttinnen sind schwanger mit den werdenden Früchten der Erde. Dies ist ein Freuden- und Dankesfest, eine Zeit der Liebe und des Rausches. Es wird getanzt, getrunken und Liebespaare fassen sich beim Überspringen des Lithe-Feuers an den Händen, was Leib und Seele reinigt und Gesundheit bringt. Dieser Sprung beschert auch eine reiche Ernte und einen glücklichen Jahresverlauf.

02.08. Lugnasad (Lammas)

(Fest der roten Schnitterin)

An Lammas endet das Reich des milden Bel (Belenos) und seiner Gefährten Belisama. Die Augustfeuer signalisieren die Metamorphose des Götterpaares. Sie treten jetzt als der feurige Lug und die Kornmutter Annona in Erscheinung. Annona ist die Schnitterin, die das Sterben des Jahres einleitet mit der Getreideernte und, indem sie die Ernte beginnt, bringt sie den Menschen Nahrung und Fülle. Die Erntezeit zieht sich über ihre gesamte Herrschaft hinweg bis zu Samhain, wenn sich das Rad des Jahres von neuem zu drehen beginnt.
Die Zeit der Ernte bewegte die Menschen seit jeher inne zu halten und zurück zu blicken, um sich der eigenen inneren Ernte bewusst zu werden: Was habe ich bis heute erreicht? Doch die Verwandlung und Reifung all der reichen Geschenke von Mutter Erde geht voran, die Früchte erhalten Süße, die Kräuter kräftige ätherische oder fette Öle und das Ernten und Füllen der Speicher nimmt seinen Lauf. Zu Lammas wurde der erste Brotlaib symbolisch als Grundlage des Lebens gebacken und gesegnet von der Lady des Hauses. (Das Wort Lady leitet sich von dem angelsächsischen Wort für Brotgeberin ab.)

21.09. Mabon

(Herbsttagundnachtgleiche, Erntedank)

Es herrschen noch immer die Göttin mit dem Füllhorn und der Feuergott, die Erntezeit geht weiter, Erntefeste werden gefeiert und die feinen filigranen Spinnfäden des Altweiber-sommers, die in der frühherbstlichen Sonne glitzern, erinnern an die Lebensfäden der Menschen vom Spinnrad der Frau Holle. Tatsächlich begann mit dem Fest der Fülle die Zeit des Spinnens und Handwerkelns, das die langen Winterabende ausfüllte. Der Faden des Lebens wird weiter gesponnen und an Mangel ist in dieser Zeit nicht zu denken. Ein Überfließen an Früchten, Nüssen und Gebackenem lädt alle dazu ein, sich satt zu essen, verschwenderisch zu sein und auch mal etwas tiefer in den gefüllten Weinkrug zu blicken. Die letzten Wochen des Lug und seiner Gefährtin brechen an, sie gleichen einem Sonnen-untergang. Die Nacht des Jahres bricht herein.
Samhain und die Zauberin der Nebel, Morigane, werden ihre Herrschaft bald erneut antreten. Überall in der Natur schwindet die Kraft, die Tage werden deutlich kürzer und auch kühler. Die letzte Ernte in dieser Zeit ist die Apfel- und Haselnussernte. Diese Früchte weisen bereits in die Anderswelt, in das keltische Apfelland Avalon. Mit Äpfeln und Haselnüssen als Totenspeise beginnt am 01.11. die nächste Phase des Zyklus.

(Aus eigenen Erinnerungen und Überlieferungen des „Alten Wissens“ durch die AhnInnen, sowie von Barbara G. Walker, Ute Schiran, Starhawk, Zsuzsanna E. Budapest und Wolf-Dieter Storl)

Bookmark